· 

Camino de Santiago III

„Der Camino bietet eine echte, fast vergessene Möglichkeit, sich zu stellen. Jeder Mensch sucht nach Halt. Dabei liegt der einzige Halt im Loslassen. Dieser Weg ist hart und wundervoll. Er ist eine Herausforderung und eine Einladung. Er macht dich kaputt und leer. Restlos. Und er baut dich wieder auf. Gründlich. Er nimmt dir alle Kraft und gibt sie dir dreifach zurück. Du musst ihn alleine gehen, sonst gibt er seine Geheimnisse nicht preis. Ich muss vor allem an die denken, die diesen Weg nicht gehen können, und ihnen sei versichert: Dieser Weg ist nur eine von unendlichen Möglichkeiten. Der Camino ist nicht einer, sondern tausend Wege, aber jedem stellt er nur eine Frage: Wer bist du?“

Hape Kerkeling, deutscher Komiker und Autor

Jakobsweg, Pilgern, Santiago de Compostela, Camino de Santiago, Camino Francés, Saint-Jean-Pied-de-Port, Jakobsmuschel, Pyrenäen, Credencial del Peregrino, Refugio, Pilgerherberge, der Weg, Mein Weg
Mein erstes Refugio in Saint-Jean-Pied-de-Port

2016 hatte ich genug Halt um loslassen zu können. Ich hatte einen fantastischen Lebensgefährten, den ich später geheiratet habe und der heute der beste Ehemann der Welt ist. Freunde, die ich schon fast ein Jahrzehnt kannte und die alles über mich wussten und mich so nahmen wie ich eben war. Ich musste keine Angst vor der eventuell bevorstehenden Haltlosigkeit haben, ich hatte ein Zuhause, dass mich auffing und trotzdem habe ich mir Sorgen gemacht, dass ich es vielleicht nicht schaffe, dass ich mich auf dem Weg verliere, dass ich mich danach nicht mehr selbst erkenne und dass ich vielleicht keinen guten neuen Job finde und für immer arbeitslos bleiben werde. Ich erinnere mich noch gut, wie sich Angst oder Panik und Zuversicht oder Gelassenheit immer wieder abwechselten, bis es dann los ging.

„Wahrnehmen, was alles nicht fehlt. Ankommen mit dem, was man hat. Erleben, was an Bedeutung verliert. Sich reich und beschenkt fühlen durch ganz andere Dinge.

Sobald man die ersten Schritte auf dem uralten Pilgerweg getan hat, geht alles wie von selbst. Man erfährt und sieht Dinge, die man vorher nicht wahrgenommen hat. Man verändert sich und kann ein anderer Mensch werden. Ganz einfach so.

Beim Gehen – auf dem Jakobsweg.“

Renate Florl, deutsche Autorin von Wander- und Reiseführern

Jakobsweg, Pilgern, Santiago de Compostela, Camino de Santiago, Camino Francés, Saint-Jean-Pied-de-Port, Jakobsmuschel, Pyrenäen, Credencial del Peregrino, Refugio, Pilgerherberge, der Weg, Mein Weg
Nur ich und "mein" Weg.

Ich bin der großen Überzeugung, dass alles im Leben einen größeren Sinn hat, den man aber meist erst im Nachhinein entdecken kann.

 

Hätte ich mein Studium in Hannover erfolgreich abgeschlossen, wäre ich nicht für eine Ausbildung nach Bremen gezogen und würde heute nicht die Menschen kennen, die ich wirklich Freunde nenne.

 

Hätte meine erste Ehe funktioniert, dann hätte ich niemals meinen jetzigen Mann kennen und lieben gelernt.

 

Wäre ich den Jakobsweg bis zum Ende gepilgert, hätte den Job in genau diesem Team mit genau diesen wunderbaren Kolleg*innen schon jemand anderes besetzt.

 

In dem Moment des Scheiterns war ich niedergeschlagen, traurig und auch wütend, aber jetzt, heute, habe ich Kolleg*innen, die mit mir nach der Betriebsfeier zwei Stunden in der Nacht ausharren und darauf warten mich in den ersten Zug nach Achim zu verabschieden, weil doch kein Nachtbus fährt, Freunde, die mich bitten einen Buggy-Organizer zu „erfinden“ damit ihr Lütter nicht mehr alle Spielsachen aus dem Buggy werfen kann, Freunde, die was-weiß-ich-wie-oft zum Bioladen ihres Vertrauens geradelt sind um mir ausrangiere Weinkorken für meine Bastelprojekte zu ergattern, Freunde, die sogar für mich aus ihrem Schlafzimmer ausgezogen sind, weil ich gerade Heimatlos war, einen Mann, der sämtliche meiner Launen am Tag erträgt (nicht immer unkommentiert) und mich abends in den Arm nimmt als sei nichts gewesen, der da ist, wie ein Fels in der Brandung, wenn ich mit meinem Rettungsboot drohe zu kentern, der mich im Höhenrausch ganz sacht mit Tatsachen auf den Boden zurückholt, und der sämtliche schwere Einkäufe trägt, weil er immer Rücksicht auf meinen Rücken nimmt.

 

Am vergangenen Wochenende habe ich eine schon erwähnte Freundin ganz kurz nur besucht (um die Korken abzuholen) wir haben übers Reisen gesprochen, über meinen Trip nach Santiago und ihren nach Australien.

 

Ende 2015 / Anfang 2016 (ich weiß es nicht mehr ganz genau) eröffnete sie, dass sie für ein halbes Jahr nach Australien gehen möchte. Work and Travel, bisschen reisen, bisschen Aussteigen aus dem Hier und Jetzt. Und während wir da saßen, ich ihr gebasteltes bestaunte, wir in Erinnerungen an diese beiden Großprojekte schwelgten, fiel mir plötzlich ein wie viel Mut sie mir damals mit ihrem Vorhaben gemacht hat. Sie hat mich unwissentlich so sehr bestärkt, dass ich meine eigene Reise auch wagen konnte.

 „Die große Herausforderung besteht darin,

überhaupt aufzubrechen, vermeintliche Sicherheiten hinter sich zu lassen und stattdessen der Ungewissheit des Weges zu begegnen.

Der Weg entsteht dann wie von selbst.“

Gregor Sieböck, österreichischer Weltenwanderer und Autor

Jakobsweg, Pilgern, Santiago de Compostela, Camino de Santiago, Camino Francés, Saint-Jean-Pied-de-Port, Jakobsmuschel, Pyrenäen, Credencial del Peregrino, Refugio, Pilgerherberge, der Weg, Mein Weg
Kirche und Refugio in einem, Trinidad de Arre

„Du brauchst keine Angst zu haben, du brauchst kein Wissen,

du brauchst nur Mut, deinen Weg zu gehen.“

Anja Nickel, deutsche Jakobspilgerin

Jakobsweg, Pilgern, Santiago de Compostela, Camino de Santiago, Camino Francés, Saint-Jean-Pied-de-Port, Jakobsmuschel, Pyrenäen, Credencial del Peregrino, Refugio, Pilgerherberge, der Weg, Mein Weg
Das leckerste Essen mit einem neu gewonnenen Freund

Während dieser letzten Blogbeiträge, dem Wühlen in alten Fotos und Erinnerungen, ist mein Herz schwer geworden, aber auch leicht.

 

Es war gut mich mal ganz bewusst zu erinnern und dies dann alles auf einem Stück „Papier“ fest zu halten.

 

Ich glaube, ich hatte die Hoffnung, dass der Weg mich dann etwas loslässt.

 

Dass die Sehnsucht nach ihm nicht mehr so schwer wiegt.

 

Dass ich den Weg einfach nur einen Weg sein lassen kann.

 

Nein…

 

Ich möchte den Jacobsweg gehen.

 

Nicht erst in fünf Jahren.

 

Nicht erst „irgendwann“...

„Sage nicht, wenn ich Zeit dazu habe, vielleicht hast du nie Zeit dazu.

Wenn nicht jetzt, wann dann?“

aus dem Talmud, einem der wichtigsten Schriftwerke des Judentums

Jakobsweg, Pilgern, Santiago de Compostela, Camino de Santiago, Camino Francés, Saint-Jean-Pied-de-Port, Jakobsmuschel, Pyrenäen, Credencial del Peregrino, Refugio, Pilgerherberge, der Weg, Mein Weg
frühmorgendlicher Start in den Pilgermarsch

„In zwanzig Jahren wirst du dich mehr ärgern über die Dinge, die du nicht getan hast, als über die Dinge, die du getan hast.

Also wirf die Leinen und segle fort aus deinem sicheren Hafen.

Fange den Wind in deinen Segeln.

Forsche. Träume. Entdecke.“

Mark Twain

Jakobsweg, Pilgern, Santiago de Compostela, Camino de Santiago, Camino Francés, Saint-Jean-Pied-de-Port, Jakobsmuschel, Pyrenäen, Credencial del Peregrino, Refugio, Pilgerherberge, der Weg, Mein Weg
Jakobsweg, Pilgern, Santiago de Compostela, Camino de Santiago, Camino Francés, Saint-Jean-Pied-de-Port, Jakobsmuschel, Pyrenäen, Credencial del Peregrino, Refugio, Pilgerherberge, der Weg, Mein Weg

Verlassene Straßen in Pamplona während der Siesta.

„Eines Tages wirst du aufwachen und keine Zeit mehr haben für die Dinge, die du immer wolltest. Tu sie jetzt.“

Paulo Coelho

Jakobsweg, Pilgern, Santiago de Compostela, Camino de Santiago, Camino Francés, Saint-Jean-Pied-de-Port, Jakobsmuschel, Pyrenäen, Credencial del Peregrino, Refugio, Pilgerherberge, der Weg, Mein Weg
Jakobsweg, Pilgern, Santiago de Compostela, Camino de Santiago, Camino Francés, Saint-Jean-Pied-de-Port, Jakobsmuschel, Pyrenäen, Credencial del Peregrino, Refugio, Pilgerherberge, der Weg, Mein Weg

Immer wieder Ich

Ich würde am liebsten jetzt los laufen. Sofort. Aber ich habe auch Angst, dass mein Rücken das nicht packt. Ich dachte, nach den ersten Seiten des Schreibens, dass ich ja mal zwei, drei Wöchelchen Urlaub auf ihm verbringen könnte, aber ich bin ein ungeduldiger Mensch. Ich möchte alles und zwar sofort. Ich mag keine halben Sachen. Ich möchte ihn „ganz“ gehen. Mindestens aber von dort an, wo ich ihn verlassen habe.

 

Ich habe in einem Schaltjahr meine Pilgerreise auf ihm begonnen, was liegt da näher, als meine Reise in einem Schaltjahr auf ihm zu beenden?

 

Obwohl ich mein Leben nicht plane, es kommt ja doch wie es eben möchte, finde ich es schön diese Lebensetappe vor meinem 36 Lebensjahr zu beenden. Dann kann ich mir für den nächsten Fünfer-Schritt etwas anderes nicht vornehmen. 36 werde ich nächstes Jahr Mitte Juni. Bis dahin möchte ich gerne in Santiago de Compostela ankommen.

 

Ich werde den Geburtstag meines Mannes verpassen, wenn ich mir im nächsten Jahr sechs Wochen frei nehme um den Jakobsweg, „meinen Weg“, zu gehen. Er sagt, das ist ok. Ich sage, das wäre es für mich auch, wenn es mein Geburtstag wäre und du nicht da. Aber ich denke, dass ich, obwohl Geburtstage tatsächlich keine große Sache für uns sind, es trotzdem schön fände, dir morgens ein paar Kerzen anzuzünden, dich mit einem Küsschen zu begrüßen, dich mit einer Kleinigkeit zu überraschen und abends für dich zu kochen. Nichts dolles. Kein riesiger Aufwand. Fast schon etwas Alltägliches. Nur ein bisschen „Wir“ an „deinem Ehrentag“.

 

Meinem Rücken geht es heute relativ gut.

Anfang letzten Jahres habe ich mich im Sportverein angemeldet und dort zwei Mal die Woche „Crossfit“ gemacht. Seit April diesen Jahres gehe ich regelmäßig (zwei bis dreimal die Woche) ins Fitnessstudio, mache dort vor allem Muskelaufbautraining, aber auch Cardio um die Ausdauer zu verbessern. Mein Mann und ich haben da an einem Gesundheitskurs teilgenommen, der uns viel über unser Essverhalten hat lernen lassen. Gemeinsam haben wir seit dem 30 Kilo unbrauchbares „Fleisch“ (es war wohl eher Fett) hinter uns gelassen. Für mich geht es dabei gar nicht so sehr um die 10 Kilo die ich verloren habe, sondern um die Energie und die Beweglichkeit, die ich gewonnen habe.

 

Es gibt immer noch Abende, die einem anstrengenden Tag folgen, an dem ich meine Schultern und meinen Nacken spüre, aber am nächsten Morgen bin ich in der Lage, die Milch zu öffnen und einen schönen, großen Guten-Morgen-Kaffee zu genießen.

 

Ich habe mir Wanderschuhe gekauft und einen kleinen, leichten Rucksack, der selbst wenn er vollgepackt ist bis zum Gehtnichtmehr trotzdem nur zehn Kilo auf die Waage bringen wird.

 

Zur Arbeit trage ich gerade immer einen Rucksack, damit mein Nacken und die Schultern sich an das Gefühl gewöhnen können. Und am Wochenende unternehme ich kleinere Wanderungen um Schuhe und Rucksack einzutragen.

 

Mit meinem Mann habe ich gesprochen um zu wissen was er wohl von dieser Idee hält und auch bei der Arbeit ist schon das Nötige geklärt.

 

 

Ich habe mich für einen Spanisch Kurs angemeldet bei der Volkshochschule hier um die Ecke. Der beginnt im September und findet einmal wöchentlich statt. So kann ich altes Wissen (ich hatte damals schon zwei Kurse) auffrischen und Neues dazu lernen.  

2020 pilgere ich nach Santiago de Compostela!!!

Vielleicht…

Ich weiß, irgendwann in diesem Leben muss ich diesen Weg gegangen sein.

 

Das muss ich einfach!

 

Aber ich weiß auch, dass ich das nicht auf Kosten meines Rückens machen werde.

 

Ende Januar legen wir im Team in der Arbeit unsere Urlaubsplanung fest.

 

 

Bis dahin werde ich mich entscheiden. 

 

„Wer pilgert, spürt eine Sehnsucht, er ist auf der Suche.“

Michael Kaminski, deutscher Religionspädagoge und Pilgerbegleiter

Jakobsweg, Pilgern, Santiago de Compostela, Camino de Santiago, Camino Francés, Saint-Jean-Pied-de-Port, Jakobsmuschel, Pyrenäen, Credencial del Peregrino, Refugio, Pilgerherberge, der Weg, Mein Weg
Immer wieder die Pyrenäen

„Nach Jerusalem wandert man, um Jesus zu finden,

nach Rom geht man zum Papst,

doch auf dem Pfad nach Santiago de Compostela sucht man sich selbst.“

spanisches Sprichtwort

Jakobsweg, Pilgern, Santiago de Compostela, Camino de Santiago, Camino Francés, Saint-Jean-Pied-de-Port, Jakobsmuschel, Pyrenäen, Credencial del Peregrino, Refugio, Pilgerherberge, der Weg, Mein Weg
Altes Tor zum Jakobsweg in Pamplona

"Auf vielen Wegen kannst du dich verlieren. Finden nur auf deinem."

Else Pannek, deutsche Aphoristikerin und Dichterin

Jakobsweg, Pilgern, Santiago de Compostela, Camino de Santiago, Camino Francés, Saint-Jean-Pied-de-Port, Jakobsmuschel, Pyrenäen, Credencial del Peregrino, Refugio, Pilgerherberge, der Weg, Mein Weg
Ganz alleine irgendwo im Nirgendwo

Ein neuer Weg ist immer ein Wagnis.

Aber wenn wir den Mut haben loszugehen,

dann ist jedes Stolpern und jeder Fehltritt ein Sieg über unsere Ängste, über unsere Zweifel und Bedenken.

Demokrit griechischer Philosoph

Jakobsweg, Pilgern, Santiago de Compostela, Camino de Santiago, Camino Francés, Saint-Jean-Pied-de-Port, Jakobsmuschel, Pyrenäen, Credencial del Peregrino, Refugio, Pilgerherberge, der Weg, Mein Weg
Endloser Horizont

Alles Liebe

Eure Suse

Jakobsweg, Pilgern, Santiago de Compostela, Camino de Santiago, Camino Francés, Saint-Jean-Pied-de-Port, Jakobsmuschel, Pyrenäen, Credencial del Peregrino, Refugio, Pilgerherberge, der Weg, Mein Weg
All das befand sich in meinem überladenen Rücksack

verlinkt bei der Urlaubslinkparty von Nähfrosch