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Ich kauf nix!

 

Ich halte mir die Augen zu während ich die Enter-Taste drücke und das geöffnete Excel-Programm alle meine aufgeführten Ausgaben zu einer Summe zusammen fügt. Oh Mein Gott!!! Schnappatmung!!!

 

Stoffvorrat, Stoffschrank, schöne Stoffe

 

Eintausendachthundertsechsundvierzig Euro habe ich 2017 für Stoffe, Nähzubehör, Schnittmuster und Bastel-Nippes-Gedöns ausgegeben. 

1846 Euro!

 

Und das sind nur die Ausgaben, die ich durch Online-Kundenkonten und Erinnerung zusammen gefügt habe.

Ich erinnere mich dunkel an mindestens zwei Einkäufe im Baumarkt und mindestens noch einen Einkauf in einem Geschäft für Künstlerbedarf, einmal war ich bei Ikea und irgendwo anders war ich noch…

 

Darüber hinaus habe ich Anfang 2017 den Flur renoviert und neu eingerichtet und auch ein Nähzimmer habe ich mir eingerichtet. Ich denke also, grob überschlagen, kann man die Summe Locker auf dreitausend Euro runden. 

 

Dreitausend Euro! 3000!!!

 

Da hätten mein Mann und ich locker einen zweiwöchigen Urlaub mit machen können.

 

Ich hätte zwei Monate auf dem Jacobsweg pilgern können.

 

Das wären 3000 Euro mehr in unserer Partykasse für unseren gemeinsamen Fünfundsiebzigsten Geburtstag im nächsten Jahr gewesen.

 

Ich hätte den Führerschein machen können, inklusive einmal durch die Prüfung fallen.

 

Das wäre der Flug nach Amerika zu einem Freund meines Mannes gewesen.

 

Oder aber mehrere Wochen Privattraining, um ordentlich fit zu werden.

 

Der Wahnsinn! Ich bin völlig geplättet von dieser Summe!

 

Mir war klar, dass ich tatsächlich viel für meine Vor-Mich-Hin-Muddel-Leidenschaft ausgebe, aber  so viel?

 

Darüber hinaus habe ich mir tatsächlich auch noch andere Dinge geleistet, einen Kaffeevollautomat zum Beispiel. Ich bin vollkommen verliebt in das Teil, aber es hätte eigentlich echt nicht sein müssen.

 

Eine Dampfbügelstation. Die ist soooo toll und ich bin soooo glücklich, dass ich sie mir gekauft habe.

 

Ein IPL-Haarentfernungsgerät…  

 

(Das wären dann auch noch mal knapp 1250 Euro)

 

 

Und schon beim ersten großen Streit in diesem neuen Jahr mit meiner alten Nähmaschine, habe ich fast ohne darüber nachzudenken eine neue bestellt. Einfach so! Ich meine, ich hatte eh geplant mir im Laufe dieses Jahres eine neue Maschine zu kaufen, da meine alte leider immer öfter mit meinen Projekten an ihre Grenzen stößt. 

 

Ich habe da nicht nur ein Problem, ich habe auch Schränke voller Stoff, Festplattenspeicher voller Schnittmuster E-Books, Schubladen voll Reißverschlüssen und Bändern aller Art, Ordner voller Nähzeitschriften, Gläser voll Knöpfen, Muttern und Unterlegscheiben, Kartons mit Holzeisstilen in schmal und breit, Rohlinge für Hänge-Cabochon-Ohrringe, verschiedenes Papier und Zeichenstifte, von Farben und Pinseln und Schablonen und Stempeln und Modelliermasse und buntem Draht möchte ich gar nicht erst anfangen.

 

 

Ich kann mich nicht für eine Disziplin entscheiden, deswegen mache ich alles und will auch immer alles ausprobieren. Wenn ich etwas sehe, dass ich noch nicht kenne oder zwar kenne, aber noch nicht selbst ausprobiert habe, dann muss das sein, ich muss dieses oder jenes kaufen.

 

Erklärt sich natürlich auch irgendwie von selbst, dass ich das meiste Zeug noch nicht getestet habe. Erst mal haben und besitzen! 

 

Fototransfer-Set, Mod Potch
Dieses Fototransfer-Set habe ich im September gekauft, 1000 Ideen dabei im Kopf, aber bisher nur einmal in die Schachtel geschaut.

 

Vor etlichen Monaten habe ich einen Schoko-Badezusatz gekauft, weil es erstens 50 Cent Rabatt darauf gab aber auch zweitens ein Glitzerarmband dazu! Ich trage nie Armbänder! Als ich zu Hause war kam ich mir lächerlich vor und habe das Armband der dreizehnjährigen Tochter meines Mannes geschenkt. Sie trägt es auch nicht. Ob ich es mir mal leihe?

 

Was ist das nur, dieses Ding mit dem Konsum und diesem Haben-wollen?

 

Warum sind so viele Menschen so hinter Dingen her, die sie meistens nicht wirklich brauchen? Ich denke nicht, dass ich da eine totale Ausnahme bin.

 

Was bringt es mir, mein Herz an Dinge zu hängen?

 

Hat es vielleicht etwas mit unseren Ururururururururururururvorfahren den Jägern und Sammlern zu tun? 

 

Das möchte ich 2018 herausfinden und kaufe darum nix! 

Ich kauf nix!

Ja richtig! Ich werde kein Geld für Zeug ausgeben! So!

 

Ich möchte die vielen gekauften Dinge nun auch endlich mal ausprobieren und verbasteln, verkleben, vernähen und verstricken (Hatte ich eigentlich schon mein Wollschränkchen erwähnt?).

 

Es wird Zeit, dass ich es mir gemütlich mache und die vielen tollen Materialien auch nutze, die sich in meinem Dachwerk so angesammelt haben.

 

Ich werde also ganz viel nähen, statt neue Klamotten zu kaufen, werde kaputte Klamotten reparieren oder recyceln und das dreihundertfünfundsechzig Tage lang! Das ist toll! Darauf freue ich mich schon gewaltig, wollte ich mich doch beim Nähen unbedingt weiterentwickeln. 

 

alte Jeans recyceln
Apropos RECYCELN: Hier meine Sammlung an kaputten Jeans, die ich seit Jahren mal zu etwas Neuem wandeln möchte.

 

An diesem kommenden Wochenende werde ich komplett Klarschiff machen in meinem Dachwerk und alles sortieren, ettikettieren und vor allem sichten, was da so alles noch versteckt in irgendwelchen Kisten liegt. Und ab Montag, den 15. Januar beginnt dann mein Konsumfreies Jahr. Dreihundertfünfundsechzig Tage, ab dann!

 

Oh Gott! Ein bisschen bekomme ich Bauchschmerzen wo ich das ganze jetzt hier niedergeschrieben sehe! Wirklich? Echt jetzt? Wie will ich das denn bitte machen? Oh Gott! Nicht weiter drüber nachdenken… Gehen wir schnurlos zum nächsten Punkt über…

 

Natürlich muss es auch immer Ausnahmen von der Regel geben. Das ist Gesetz und deswegen gibt es auch für dieses Anti-Haben-Wollen-Projekt Ausnahmen.

 

Das darf ich kaufen:

 

Lebensmittel

 

Hygieneartikel

 

Reinigungsmittel

 

Wirklich wichtige Dinge (z. B. eine neue Waschmaschine, wenn die alte Schrott ist)

 

Dinge, die die Kinder brauchen

 

Schuhe für mich (NUR wenn die vorhandenen hin sind, weil ich die nicht nähen kann)

 

Im Sommer geht’s in den Wanderurlaub und dafür brauche ich einen kleineren Rucksack und Wanderschuhe

 

 

Puh! Aufregend! 

 

Ich werde natürlich ganz viel berichten, wie es mir diese 365 Tage so ergeht! ;-)

 

 

Alles Liebe

Eure Suse

 

 

 

P.S. Ich freue mich auf euer Feedback, eure Ideen und Anregungen.